Schloss Herrenchiemsee

Viele meinen ja, wir wohnen hier im Chiemgau in einer der schönsten Gegenden Deutschlands. Das Chiemgau bietet eine einzigartige Mischung aus Natur, Kultur und Erholung. Zweifellos ist der bekannteste Anziehungspunkt in unserer Region der Chiemsee, bekannt auch als „Bayerisches Meer“. Mit seinen traumhaften Inseln – allem voran die Herreninsel mit Schloss Herrenchiemsee, die wilde, unbewohnte Krautinsel und die Fraueninsel, locken jährlich tausende Touristen nach Bayern.

Wer einen Urlaub am Chiemsee plant, dem kann ich eine Schifffahrt auf dem Chiemsee mit einer Besichtigung des Schloss Herrenchiemsee sehr empfehlen. Ich kann es nicht beantworten, aber die Fraueninsel besuchen wir jedes Jahr, meist 2 bis 3 Mal. Doch auf der Herreninsel war ich bestimmt seit 15 Jahren nicht mehr. Letztes Jahr war eine Besichtigung vom Schloss Herrenchiemsee fest geplant, doch auf Grund meines Unfalls mussten die Pläne geändert werden. Vor gut 2 Wochen haben wir uns – ganz spontan, an einem herrlichen Frühlingstag entschlossen die Herreninsel mit dem Märchenschloss zu besuchen.

1873 erwarb König Ludwig II. von Bayern die Herreninsel als Standort für sein Schloss Herrenchiemsee. Als Abbild vom Schloss Versailles sollte dieses Schloss ein Tempel des Ruhmes für König Ludwig XIV. von Frankreich werden, den der bayerische Monach sehr verehrte. Nach vielen Planungsphasen begannen 1878 endlich die Bauarbeiten, um wenig später wieder eingestellt wurden. Zuerst ging dem König das Geld, dann das Lebenslicht aus. Herrenchiemsee ist wie seine Vorgänger Neuschwanstein und Linderhof ein modernes Märchenschloss mit vielen technischen Raffinessen. So wurde eine Anlage verbaut, die das Wasser sowie die Räume im inneren des Gebäudes beheizten. Der Speisetisch des Königs konnte mechanisch von der Küche in seinen Speisesaal gelangen. Es ermöglichte ihm seine Mahlzeiten ohne Personal einzunehmen, was aber nie zustande kam. Was heute zu sehen ist, ist lediglich das Herzstück des ursprünglich geplanten Baus. Doch die Räume die fertig gestellt wurden, strotzen vor Prunk, Marmor und Gold. Besonders beeindruckt haben mich die Lüster, insbesondere die Prunkleuchter im Treppenhaus und in der Spiegelgalerie, die alle in Wien in Einzelanfertigung hergestellt wurden. Der heutige materielle Wert des Schloss ist immens und gehört dem Freistaat Bayern. 2025 wurden Herrenchiemsee als Teil der Schlösser König Ludwigs II. zum UNESCO Welterbe ernannt. Im Schloss ist das Fotografieren und Filmen in den Innenräumen leider nicht gestattet. 

Der Bau vom Schloss Neuschwanstein lag zu Zeiten Ludwigs bei etwa 6 Millionen Mark, Linderhof war mit 4,5 Millionen wohl das günstigste. Für den Bau des Schlosses Herrenchiemsee gab der König satte 16,5 Millionen Mark aus. Alleine die Kosten für das Schlafzimmer beliefen sich auf umgerechnet 3 Millionen Euro und dabei schlief er nicht einmal in dem Prunkbett. Eine unvorstellbare Summe, vor allem wenn man sich vor Augen hält, das das Schloss nicht einmal vollendet wurde und nur 20 von insgesamt 70 Räumen fertiggestellt wurden. Bewohnt hat der König das Schloss für 10 Tage und nach seinem Tod wurde es für Besucher geöffnet und ist heute die meistbesuchte Sehenswürdigkeit am Chiemsee.

Leider beginnt die Hauptsaison erst an Ostern und die Brunnenlandschaft war noch im Wintermodus verpackt um sie in den kalten Monaten vor Frost und Eis zu schützen. Ab Mai kann man die Wasserspiele des Fama, Latona und Fortuna Brunnen im Schlosspark bewundern. König Ludwig II. war ein begnadeter Bauherr, aber eben nicht gerade sparsam. Aufgrund seiner hohen Schulden entmündigte man ihn, erklärte ihn für regierungsunfähig und nahm ihn in Gewahrsam. Nur kurze Zeit später starb der Märchenkönig am Starnberger See, doch die Umstände zu seinem Tode sind bis heute ungeklärt.

Wer von euch, vielleicht an Ostern oder im Sommer seinen Urlaub hier am Chiemsee verbringen möchte, dem kann ich einen Besuch und die Besichtigung von Schloss Herrenchiemsee nur wärmstens empfehlen.